Über 70 Jahre (1955 bis 2026) aktive Konsumentenbewegung:
Geschichte der Konsumenten-Aktivitäten in der Schweiz für die biologisch-dynamische Bewegung
Von Peter-Matthias Born
Anmerkung:
In diesem Beitrag ist von Produzenten, Händlern und Konsumenten und anderen tatkräftigen Menschen die Rede. Das grammatische Maskulinum hat nichts mit dem menschlichen Geschlechtlichen zu tun, sondern spricht rein und allein übergeschlechtlich, die Funktion an.
![]() |
Als PDF downloaden: Geschichte der Konsumenten-Aktivitäten in der Schweiz für die biologisch-dynamische Bewegung |
|---|

Die Anfänge
Konsumenten haben in der biologisch-dynamischen Bewegung schon immer eine wichtige Rolle gespielt. In der Schweiz begann 1930 in Klarsreuti (südlich von Kreuzlingen am Bodensee) Konrad Oswald einen ersten biodynamischen Hof zu führen. Der «Oswaldhof» ging als ältester Bio-Bauernhof der Schweiz in die Geschichte ein. Vier Jahre später begründete Hedwig Müller in Hünibach am Thunersee eine Gartenbauschule auf gleicher methodischer Grundlage. Um die biodynamisch arbeitenden Bauern zu unterstützen, taten sich 1937 Konsumenten und Forscher (wohlgemerkt nicht die Bauern selbst) zusammen; sie gründeten den «Produzentenverein für biologisch-dynamische Landwirtschaft».
In Deutschland wurde bereits im September 1927 die Verwertungsgenossenschaft «Demeter» gegründet. Den Namen «Demeter» schlug seinerzeit Günther Wachsmuth (ehemaliger Sekretär von Rudolf Steiner), nach der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin, vor. Seither gibt es diesen Markennamen. Er wurde 1932 im Patentamt München erstmalig eingetragen und gesichert. Interessant dabei ist, dass der Name «Demeter» vor der Bezeichnung «biologisch-dynamisch» entstanden ist. Erst im Jahre 1930 entstand der Begriff «biologisch-dynamisch» als Landwirtschaftsweise. Vorher sprach man von «biologischer Düngung». Almar von Wistinghausen (1904 – 1989, Diplomlandwirt und Aktivist der «Demeter»-Bewegung) schreibt in seinem Buch «Erinnerungen an den Anfang der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise»: «Erhard Bartsch stand auf dem Standpunkt, es handle sich um eine ‘biologische Wirtschaftsweise’ und Ernst Stegemann, eingedenk der Ratschläge, die ihm persönlich von Rudolf Steiner gegeben worden waren, bestand auf dem Namen ‘dynamische Wirtschaftsweise’. Wie es so oft im Leben geht: es wurde ein Kompromiss geschlossen. Die beiden Herren einigten sich auf die Bezeichnung ‘biologisch-dynamische Wirtschaftsweise’». Erhard Bartsch (1895 - 1960) und Ernst Stegemann (1882 - 1943) waren Pioniere der biodynamischen Landwirtschaft.
Mit der Gründung des Schweizerischen «Produzentenverein für biologisch-dynamische Landwirtschaft» 1937 gab es diese Landwirtschaftsmethode bereits früh in der Schweiz. Sie basiert auf Vorträgen des Geistesforschers Rudolf Steiner (1861 – 1925), der zu Pfingsten 1924 auf Schloss Koberwitz bei Breslau (heute Polen) acht Vorträge hielt - heute in dem Buch «Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft» nachzulesen.

Die Schweiz darf sich also durchaus als frühes Bioland betrachten. Und wie gesagt, dabei hatten die Konsumenten keinen unbedeutenden Anteil. Der erste Konsumentenverein entstand in Basel im Januar 1959. Im Umfeld der Rudolf-Steiner-Schule Basel gegründet, wurden bei den ersten Pionieren der biologisch-dynamischen Landwirtschaft grössere Mengen an Kartoffeln, Most etc. eingekauft und im Keller der Schule eingelagert, um sie «en Detail» weiterzuverkaufen. Die Frage der Ernährung und der Finanzierung der Qualitäts-Forschung am Goetheanum war schon damals ein Thema. 1960 folgte der Konsumentenverein in Zürich und bald auch Konsumentenvereine in Bern, in der Innerschweiz, der Ostschweiz und Winterthur/Schaffhausen. Überall galt als Grundidee, den Verkauf von Demeter-Produkten direkt durch die Konsumentenvereine zu organisieren und momentane Überschüsse zu verteilen, einzulagern oder zu konservieren. Es musste der dazumal fehlende Handel ersetzt werden, um zur Verbesserung der Ertragslage der biodynamischen Bauern beizutragen. So konnte sich der Verkauf ab Hof entwickeln, ohne dass eine Zuflucht zur intensiven Spezialisierung, z.B. in Form von Massentierhaltung, genommen werden musste. Die Bemühungen der Bauern fanden durch das Verständnis der Konsumenten Anerkennung, was sich in Entschuldungsaktionen mittels langfristiger zinsfreier Darlehen und in der Entrichtung angemessener Preise ausdrückte.
Mit dem Aufkommen von professionellen Verkaufsstellen verlagerte sich die Tätigkeit der Vereine später auf regelmässige Vorträge, Hofbesichtigungen und Info-Schriften. Es galt, Verständnis und Vertrauen in die biodynamische Landwirtschaft und deren Demeter-Produkte zu wecken.
Die Mitgliederzahlen der Konsumentenvereine in der Schweiz wuchsen in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts auf bis zu 1'500 Mitglieder. Allein der Basler Verein zählte 1978 bereits 744 Mitglieder. Selbst in den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts konnte man weit über 1'000 Mitglieder zählen.
Förderung wissenschaftlicher Untersuchungen
Heute ist das Verständnis für die biodynamische Landwirtschaft und das Bedürfnis nach gesunden Lebensmitteln weit verbreitet. Dazu haben auch wissenschaftliche Untersuchungen beigetragen. Um dies zu erreichen, musste aber zuerst der Boden für wissenschaftliche Arbeit geschaffen werden. Auch da haben Konsumenten Pionierarbeit für die Bioszene geleistet. Dr. Michael Rist (1927 – 2014) – langjähriger Präsident des Konsumentenvereins Zürich – war auch einer von sieben Persönlichkeiten, die am 1. Februar 1973 die «Schweizerische Stiftung zur Förderung des biologischen Landbaus», die Trägerin des FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), gründeten. Durch die Arbeit des FIBL erlangte der biologische Landbau erstmals weltweite Anerkennung und konnte so Verbreitung finden.
![]() |
Ein wesentliches Projekt des FiBL ist der seit 1972 laufende DOK-Versuch. Es handelt sich um einen umfangreichen wissenschaftlichen Vergleich zwischen den biologischen Anbaumethoden dynamisch (D) und organisch (O) und dem konventionellen (K) Landbau (DOK) über eine dreimal siebenjährige Fruchtfolge. Der DOK-Versuch zeigte, dass «der biologisch-dynamische Landbau sehr effizient ist, bezüglich: Input/Output (Energie, Nährstoffe), Erhaltung und Förderung der Bodendiversität (Biomasse/Bodenstruktur) und Humusbildung.» (U. Niggli, 1995). Die Qualitätsuntersuchungen zeigen weiter, dass biodynamisch erzeugte Produkte als «vitaler, differenzierter und arttypischer gegenüber den anderen Anbaumethoden einzustufen sind.» |
![]() |
Mehr Info über den DOK-Versuch |
|---|
Ernährungsgrundlagen: Unterstützung der Forschung von Gerhard Schmidt
Von 1975 bis 1979 hat der Schweizerische Konsumenten Verband unter dem damaligen Präsidenten Peter Gschwind die Forschungsarbeiten von Dr. med. Gerhard Schmidt (1908 – 2003) in der biodynamischen Ernährung unterstützt und dabei mehrere Bücher zur dynamischen Ernährungslehre ermöglicht.

Gerhard Schmidt hat sich Zeit seines Lebens mit Fragen zu einer neuen Ernährungshygiene aus geisteswissenschaftlicher Sicht beschäftigt. Er war jahrelang Mitarbeiter der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum und übernahm dabei den Aufbau und die Leitung des medizinpsychologischen Forschungslabors mit Schwerpunkt Ernährung. Über zwanzig Jahre führte er das Haus der Ernährungsforschung und Landwirtschaft. Unter seiner Leitung wurden am Versuchslabor weit über 100´000 Versuche durchgeführt. Schmidt ist auch der Erfinder der Iris-Gesichtspflege-Linie bei Weleda.
Richtlinien für den biologischen Landbau
Im September 1976 formierten sich die unterdessen entstandenen Biogruppierungen zu einer gemeinsamen Initiative zu einer Koordinationsgruppe biologischer Landbau in der Schweiz. Ihr Ziel war, Richtlinien für die verschiedenen Biolandbau-Methoden zu vereinheitlichen, um eine offizielle Anerkennung beim Staat durchzusetzen. Auch wollte man sich gegenüber Scharlatanen abgrenzen. Vertreten waren der Produzentenverein für biologisch-dynamische Landwirtschaft, der Schweizerische Konsumenten Verband und das FiBL sowie zwei Kantonschemiker.
Im Januar 1981 reichte die Koordinationsgruppe ihre Biorichtlinien dem Bundesamt für Gesundheitswesen BAG ein. Eine Regelung des Biolandbaus auf Bundesebene sollte erfolgen. Im September 1981 gründeten die fünf Organisationen Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Produzentenverein für biologisch-dynamische Landwirtschaft (Demeter), Biofarm, Progana und Bioterra die «Vereinigung schweizerischer biologischer Landbauorganisationen VSBLO» mit Sitz in Oberwil BL. Seit 1983 gibt es eine professionell geführte Geschäftsstelle. Ihr erster Geschäftsführer war Dr. Rainer Bächi (1948 - 2010) vom Konsumenten Verband.
Nach jahrelangem Kampf mit dem BAG und Bundesrat Egli wurde schliesslich 1992 die biologische Landbaumethode formal-rechtlich und damit förderwürdig im Landwirtschaftsgesetz verankert. 1997 benannte sich die VSBLO in Bio Suisse um.
Konsumenten-Informationen: Messe- und Internet-Auftritte
Seit den 80er Jahren setzten die Schweizerischen Konsumentenvereine auf die Konsumenteninformation. Initianten waren vor allem der damalige Präsident des Konsumenten Verbandes Hansueli Eisenhut (1941 - 2011) und Vorstandsmitglied Dr. Rainer Bächi. So entstand eine umfangreiche Schriftenreihe zu den Themen Landwirtschaft, Ernährung und assoziativen Wirtschaftens (ein partnerschaftliches Wirtschaften, das den Konkurrenzkampf und den Wachstumszwang in der Wirtschaft überwindet).
1997 entstanden viele Neuimpulse in der Demeter-Bewegung und Aktivitäten. So wurde der Schweizerische Demeter-Verband als wirtschaftliche Assoziation mit Vertretern aus der Produktion, dem Handel und der Verarbeitung und der Konsumentenschaft gegründet. Ab da waren die Konsumentenvereine in der Schweiz assoziative Partner von Demeter.
In Zürich wurde auf Initiative von Peter-Matthias Born (*1958) an der grossen Öko- und Paracelsus-Messe 1997 in der Messe Zürich ein grosser Messestand erbaut. Im Hintergrund als Demeter-Laden dargestellt mit über hundert Demeter-Produkten, im Vordergrund ein kleines Gartenbeet gebaut mit Kräutern und Gemüsen. Mitgeholfen für die Gestaltung des Standes haben sowohl Händler, Verarbeiter als auch Bauern. In einem stündlichen Rhythmus präsentierten Peter-Matthias Born und Regula Born (*1957) auf der Messebühne jeweils 10-minütige Kabarettnummern. Alle Stunde eine neue Nummer!

Diese lebendige Darstellung des Messestandes und die Live-Auftritte animierten viele Menschen, schweizweit Mitglied in einem Konsumentenverein zu werden. So wuchsen sowohl die regionalen Konsumentenvereine als auch der Schweizerische Konsumenten Verband zu einer ansehnlichen Grösse heran.
In den folgenden Jahren waren der Schweizerische Konsumenten Verband und die regionalen Konsumentenvereine an vielen Märkten mit einem eigenen Stand präsent. Unter der Leitung von Regula Born war der Schweizerische Konsumenten Verband auf dem Zibelemärit in Bern, mehrmals auf dem Bio Marché in Zofingen und zusammen mit den regionalen Konsumentenvereinen Zürich und Winterthur/Schaffhausen auf dem 1001-Gemüse-Markt in Rheinau/ZH anwesend. Dazu kamen Messestände auf dem Biomarkt in Weinfelden (initiert durch den Konsumentenverein BioDyn&Fair Winterthur/Schaffhausen), 2013 auf Initiative des Konsumentenvereins Zürich auf dem Bio-Markt inmitten der Stadt Chur oder einen Bücherstand an der Messe der Pädagogischen Hochschule in Luzern (2014) über Ernährung. Auch der Konsumentenverein Bern war und ist seit Jahren am Wildpflanzenmärit in Bern mit einem eigenen Stand präsent.
Der Konsumentenverein Basel und Umgebung war immer wieder aktiv an der Landwirtschaftlichen Tagung am Goetheanum durch Ausstellungen und Gesprächsgruppen präsent. Ein Schwergewicht dieses regionalen Vereins war auch die Zusammenarbeit mit den Bioläden.
Mit dem Beginn des Internet-Zeitalters wurde eine eigene Plattform mit News und Hintergrundberichten www.konsumentenverband.ch geschaffen, wo die Konsumenten-Information noch stärker ausgebaut wurde.
Aus den Konsumenten-Informationen entstand Anfang der 2000er Jahre die Idee einer Konsumentenbildung. Auf der eigenen Internet-Plattform wurde ein online-Schulungsweg zu gerechten Preisen veröffentlicht. Im Hintergrund erarbeitete Michael Rist zusammen mit Peter-Matthias Born eine Konsumentenschule mit verschiedenen Modulen. Es entstand immer mehr das Interesse, eine assoziative Wirtschaft zu vermitteln und zu fördern. Sowohl die Konsumentenvereine in Zürich und Winterthur/Schaffhausen als auch der Schweizerische Konsumenten Verband bekamen den Zusatz «Förderung der assoziativen Wirtschaft». Eine Initiative, die vor allem auf den Konsumentenverein Zürich mit Michael Rist und Peter-Matthias Born zurückzuführen ist.
Konsumentenbemühungen für eine assoziative Wirtschaft
Seit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts versuchte der Konsumentenverein Zürich unter der Initiative von Michael Rist einen neuen Stil des Wirtschaftens, die assoziative Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Handel und Konsumenten, zu fördern. Dazu wurde im Jahre 1998 der Name des Vereins mit dem Zusatz assoziativ erweitert. In Rundbriefen, Vorträgen und Seminaren wurden die Mitglieder und Interessenten in diese neue Sichtweise der Wirtschaft eingeführt.
Das führte dann auch dazu, dass der Schweizerische Konsumenten Verband im Jahre 2000 die Namenserweiterung assoziativ ebenfalls übernahm. Der Konsumentenverein Basel und Umgebung hat (erst) bei der Statutenrevision 2003 die assoziative Wirtschaft zwar nicht im Namen, aber im Zweckartikel (und Claim) aufgenommen.
Als 1996 der Gründungsimpuls und 1997 die Gründung des Schweizerischen Demeter Verbandes stattfand, hatten Konsumenten schon vieles im Vorfeld in Sachen assoziatives Wirtschaften miteingebracht. Und so verstand sich der neue Verein Schweizerische Demeter Verband denn auch als vorbildliches assoziatives Organ, in dem Produzenten, Händler und Konsumenten partnerschaftlich zusammenarbeiten. Im Vorstand waren alle drei Wirtschaftspartner vertreten. Dies wurde in einem Poolvertrag auch schriftlich festgehalten. Das war ein weltweites Novum. Es gibt viele Assoziationen, doch alle vertreten meistens die Interessen der Produzenten, vielleicht noch die des Handels. Aber eine wirtschaftliche Assoziation, in der versucht wird, aus allen Aspekten der Wirtschaftspartner eine vernünftige, sinnvolle Lösung für alle zu finden, ist heute leider immer noch sehr selten.
Ein Beispiel aus dem damaligen Schweizerischen Demeter Verband waren ab 2005 die Bemühungen von Marc C. Theurillat den Warenfluss transparent darzustellen. Auf seine Initiative hin entstanden dann Marktgespräche, vorerst vor allem über Lagergemüse. Man versuchte, assoziative Formen der Zusammenarbeit über mehrere Stufen der Wertschöpfungskette aufzubauen, sowohl theoretisch als auch praktisch. Federführend war da der Initiant Marc C.Theurillat.
In den Jahren 2015 bis 2020 hat Marc C.Theurillat als Mitglied im Vorstand Schweiz. Demeter-Verband intensiv um eine aussagekräftige Warenfluss-Statistik bemüht. Mit der Erhebung der Lizenzgebühren sollte gleichzeitig auch eine solide Datenbasis zur Erkennung der Änderungen in den Warenflüssen von der Produktion, über die wichtigsten Verteilkanäle unter Berücksichtigung von Import/Export und Abwertung im Bio-Kanal aufgezeigt werden können. Doch die notwendige Transparenz hat leider nicht genügend Unterstützung gefunden.
Im gleichen Zeitraum (2015–2020) hat sich der Konsumentenverein Basel auch mit der Klärung der Stellung der Läden, die keine Lizenz zahlen und damit nicht zum Poolpartner «Verarbeitung und Handel» gehören, befasst. Im Konsumenten Verband versuchte man daraufhin, die Läden als Vertreter der Konsumentenschaft als Mitglieder zu gewinnen.
Ab 2020 hat sich Marc C.Theurillat im Schweiz. Demeter Verband aktiv um Abklärungen bezüglich der Einschränkungen in assoziativer Zusammenarbeit durch das Kartellrecht bemüht.
Auch wenn es innerhalb der Assoziation «Schweizerischer Demeter Verband» nicht immer einfach war, die Kommunikation bis an die Basis der drei Poolpartner zu bringen, waren die Bemühungen doch sichtbar. Auch der neue Verein «Demeter Schweiz», der am 21. Mai 2026 nach einer Fusion des Vereins für biologisch-dynamische Landwirtschaft und dem Schweizerischen Demeter Verband zustande kam, trägt dank all den Bemühungen von Konsumentenseite in seinem Untertitel den Namen «Verein für biologisch-dynamische Landwirtschaft, assoziatives Wirtschaftsleben und menschengerechte Ernährungskultur».
Bildungshefte
Ab 2013 entstanden dann in unregelmässigen Abständen sogenannte «Bildungshefte» über Ernährung, assoziative Wirtschaft, gerechte Preise, und 2019 das letzte Bildungsheft «Bio-dynamisch – Bio-organisch». Darin wurde erklärt, wie sich die Landbaumethoden biologisch-dynamisch (Demeter) und bio-organisch (Knospe) entwickelten und wie sie sich unterscheiden. Dank Initiative des Geschäftsführers Peter-Matthias Born wurden alle Bildungshefte vom Eidg. Büro für Konsumentenfragen in Bern finanziell unterstützt. Auch verschiedene Firmen wie die Freie Gemeinschaftsbank, die Alternative Bank, Biopartner, Remei AG u.v.a. haben dazu beigetragen, dass die Hefte zum Erfolg wurden.

Nr. 1 Gerhard Schmidt: Grundfragen der Ernährung
Nr. 2 Christoph Strawe: Konsumenten – Auftraggeber der Wirtschaft
Nr. 3 Gerhard Schmidt: Ernährung aus dem Pflanzenreich. Ernährung aus dem Tierreich.
Nr. 4 Jens Martignoni: Wie entstehen gerechte Preise?
Nr. 5 M.Kassner, T.Baars, U.Hurter, J.Peschke, G.Schmidt: Die Milch – Lebensmittel auch für uns?
Nr. 6 Peter-Matthias Born: Bio-dynamisch – Bio-organisch
Konsumenten-Kongresse
Parallel zu den Bildungsheften wurden schweizweit Vorträge zu Ernährungsfragen, assoziativem Wirtschaften und biodynamischem Landbau organisiert. Ein Schwergewicht der Tätigkeiten des Konsumenten Verbandes waren die sehr erfolgreich durchgeführten Konsumenten-Kongresse (2004 auf dem Herzberg, 2010 im Kunsthaus Zürich und 2018 in L’Aubier bei Neuchâtel). Teilgenommen haben namhafte Referenten wie Ibrahim Abouleish (Gründer der Sekem-Farm in Ägypten und alternativer Nobelpreisträger), Udo Herrmannstorfer (Sozialökonom und Autor des Buches «Scheinmarktwirtschaft»), Christoph Strawe (Netzwerk Dreigliederung Stuttgart), Patrick Hohmann (Gründer der Remei AG), Ulrich Thielemann (Uni St.Gallen), Matthias Wiesmann (CoOpera und Buchautor verschiedener Schriften zur Dreigliederung des sozialen Organismus), Ueli Hurter (Gründer von L’Aubier, seit 2010 Co-Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum in Dornach).
Am ersten Konsumenten-Kongress auf dem Herzberg (bei Aarau) wurde am 23. Januar 2004 Ibrahim Abouleish, Gründer der Sekem-Farm in Ägypten und Träger des Alternativen Nobelpreises 2003, vom Konsumenten Verband mit dem «Sonderpreis 2004 für höchste Sozialkompetenz» ausgezeichnet.

links: Konsumenten-Kongress 2004 auf dem Herzberg mit Dr.Rainer Bächi, Dr. Ibrahim Abouleish, C.Becker (Sekretärin Sekem)
rechts: Konsumenten-Kongress 2010 im Vortragssaal des Kunstrhauses Zürich mit Prof. Dr. Christoph Strawe
Produkt-Auszeichnungen
In den Jahren 2006/07 hat der Konsumenten-Verband sechs Demeter-Produkte auf Ernährungsqualität, ökologische Kriterien, soziale Aspekte und assoziatives Wirtschaften geprüft und ausgezeichnet. Eine Initiative die durch Hansueli Eisenhut und Peter-Matthias Born realisiert wurde. Präsentiert wurde das Projekt «Demeter-Produkte des Monats» in den verschiedenen Bio-Fachgeschäften in der Deutschschweiz. Bei diesem Projekt konnten Konsumenten ihr Urteil über die Produkte abgeben. Dazu wurde ein Fragebogen ausgearbeitet, der dem Informationsprospekt beilag, oder aber auch im Internet online ausgefüllt werden konnte. Die Resultate der Käuferinnen und Käufer wurden monatlich im Internet auf der Homepage des Verbandes veröffentlicht. Als Dank für die Mitarbeit wurden jeden Monat 40 Demeter-Warengutscheine verlost, die im Bio-Fachgeschäft eingelöst werden konnten.

Präsentation der ersten Auszeichnung des «Produkt des Monats» durch den Schweizerischen Konsumenten Verband im damaligen Bioladen Drüegg in Wädenswil. Die Produkt-Auszeichnungen wurden in den meisten Bioläden der Schweiz präsentiert.
Wander-Ausstellung Biodynamische Landwirtschaft
2012 kreierte der Konsumenten Verband auf Initiative von Peter-Matthias Born eine kleine Wanderausstellung zu der biodynamischen Landwirtschaft. Auf 6 verschiedenen grossen Roll-Ups wurde die biodynamische Landwirtschaft, die Kompost- und Spritzpräparate, Hofindividualität, die artgerechte Tierhaltung und die kosmischen Einwirkungen darstellerisch erklärt. Die Ausstellung konnte bis 2024 in vielen Schweizer Städten an verschiedenen Veranstaltungen (Seminare, Messen) oder in Bioläden präsentiert werden.

Images-Broschüren
2013 gab der Konsumenten Verband unter dem neuen Präsidenten Urs Beul (*1958) seine erste Images-Broschüre «Bauen wir die Welt, die wir uns wünschen» heraus. Sie zeigt das ganze Spektrum der Tätigkeiten der Konsumentenvereine und des Konsumenten Verbandes auf und will damit die Konsumentenschaft auf ihre Pflichten im Wirtschaftsleben aufmerksam machen. 2020 erschien dann eine überarbeitete Neu-Auflage.
![]() |
Unsere Informationsbroschüre ansehen: Informationsheft über den Konsmenten Verband
|
Gelebte Assoziationen
Um die Assoziationen zu leben, arbeitete der Schweizerische Konsumenten Verband seit Anbeginn (1997) als Pool-Partner aktiv im Schweizerischen Demeter Verband (im Vorstand und in Kommissionen) mit: demeter.ch
Um sich aktiv für eine gentechfreie Landwirtschaft einzusetzen, ist der Konsumenten Verband seit 2016 auch Mitglied (auch im Vorstand) bei der SAG Schweizer Allianz Gentechfrei: gentechfrei.ch.
Ebenfalls seit 2016 nahm der Konsumenten Verband durch Marc C. Theurillat (Präsident Konsumentenverein Basel und Umgebung) regelmässig am Informationsaustausch der Agroscope mit Konsumentenorganisationen teil.
2022 trat der Schweizerische Konsumenten Verband als Mitglied im internationalen Verein «Biodynamic Federation Demeter International» bei: demeter.net
Internet-Aktivitäten und Filme
In den letzten Jahren wurde vor allem die Plattform konsumentenverband.ch mit vielen Hintergrunds-Berichten, News und Veranstaltungen durch den Geschäftsführer Peter-Matthias Born gepflegt.
2024 lanciert der Konsumenten Verband eine neue Serie zur Konsum-Bildung in Film und Schrift. Die Botschaft: «Konsum-Bildung verstärkt uns zur Fähigkeit, verantwortungsbewusst und selbstbestimmt zu handeln». Auf dem YouTube-Kanal wurde dann auch der erste Film zum Thema «Wie unser Kaufverhalten eine nachhaltige Zukunft fördert» veröffentlicht.

Eva Lena Escobar (Lernende im Bioladen Höheners in Basel) interviewte Marc C. Theurillat, Buch-Autor von «Veränderung ist möglich – Solidarisch wirtschaften für eine nachhaltige Gesellschaft» und Präsident des Konsumentenvereins Basel und Umgebung.
![]() |
Mehr über den Kurz-Film / Film ansehen |
|---|
Da die Resonanz – im Gegensatz zu den Bildungsheften – massiv kleiner war, hat man dann die geplante Filmserie wieder eingestellt.
Umbruch in der Demeter Bewegung
Altersbedingt nahmen in den letzten Jahren bei allen Konsumentenvereinen in der Schweiz die Mitgliederzahlen ab. Und die Vorstände sind ebenfalls ins Alter gekommen. Neue, junge Menschen fand man leider nicht.
Auf Initiative einiger Bauern im Verein für biologisch-dynamische Landwirtschaft hat sich im Laufe der Jahre 2022/23 eine Strukturgruppe gebildet, wo auch Konsumenten-Vertreter dabei waren, mit dem Ziel einen neuen Demeter-Verein zu gründen. Das Motto lautet: «Alle Menschen der Demeter-Bewegung in der Schweiz bündeln ihre Energie in einer gemeinsamen Organisation». Am 21. Mai 2026 war es so weit, dass dieser neue Verein «Demeter Schweiz» gegründet wurde. Es ist eine Fusion zwischen den beiden Vereinen: Schweizerischer Demeter-Verband und Verein für biologisch-dynamische Landwirtschaft.
Konsumentenvereine haben keine Möglichkeit mehr Mitglied zu sein, da der neue Verein nur noch persönliche Mitgliedschaften kennt. Konsumenten können hingegen als Einzelpersonen dort Mitglied werden und auch Einsitz in Vorstand und Kommissionen nehmen. Sie sollen sich auch gruppieren können, um regionale Aktivitäten weiterzuführen.
Im Zuge dieser Neuerung haben sich die regionalen Konsumentenvereine und der Schweizerische Konsumenten Verband im Laufe der Jahre 2025 und 2026 kontinuierlich aufgelöst.
Am 3. April 2025 hat sich der Konsumentenverein Zürich und am 19. Mai 2025 der Konsumentenverein BioDyn&Fair Winterthur/Schaffhausen aufgelöst. Der Schweizerische Konsumenten Verband hat sich am Fusionsdatum des neuen Vereins «Demeter Schweiz» in Solothurn am 21. Mai 2026 aufgelöst.
Der Konsumentenverein Basel und Umgebung wird sich Ende 2026 auflösen.
Einzig der Konsumentenverein in Bern «Demeter Konsumenten Bern» hat an seiner Jahresversammlung vom 2. Mai 2025 beschlossen, in Zukunft bestehen zu bleiben.
![]() |
Mehr über den Konsumentenverein Bern «Demeter Konsumenten Bern» auf konsumentenverein.ch |
|---|
So hoffen wir, dass mit diesem neuen Verein «Demeter Schweiz» ein Gefäss gefunden wird, wo all die Konsumenten-Aktivitäten weitergeführt werden können. Verantwortlich sind jetzt die einzelnen Konsumenten selbst.
Damit verabschiedet sich der Vorstand des Schweizerischen Konsumenten Verbandes von seinen Mitgliedern und Freunden und wünschen allen alles Gute!












